La Réunion – Tag 6│Auf Lavaströmen durch den Osten

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Heute ist es wieder einmal an der Zeit, unsere Unterkunft zu wechseln. Vom Osten geht es – mitten durch das Vulkangebiet „Grand brûlé“ (Große Verbrennung) an der Küste entlang – in den Süden nach Saint-Pierre. Dort erwartet uns für die nächsten vier Nächte das Gästehaus Plantation Coté Lagon direkt am Petit Plage (Kleinen Strand) gelegen.

Doch zunächst durchqueren wir die mehr als eindrucksvolle Mondlandschaft an den Stellen, an denen die Lava des Piton de la Fournais bei seinen großen Ausbrüchen bis ins Meer gelaufen ist. Die Bundesstraße, die durch dieses Gebiet führt, muss wohl die am meisten erneuerte Straße sein, denn nach jedem großen Ausbruch, muss sie neu gebaut werden.

Doch karg ist es hier nur bedingt, denn es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Natur in nur wenigen Jahren ihren Platz im Kampf gegen die nach und nach erkaltende Lava zurück erkämpft. So sieht jeder Lavastrom, je nachdem, wann er entstanden ist, anders aus – mal schwärzer und mal grüner.

Einer kleinen Kirche in Piton Sainte-Rose verhalf der Vulkan 1977 zu großer Berühmtheit. Der Lavastrom dieses großen Ausbruchs verschonte die kleine Notre Dame des Laves und floss links und rechts an ihr vorbei, ohne sie zu beschädigen. Noch heute steht sie in Mitten der erkalteten Lava und ist zum Wallfahrtsort geworden.

Wir lassen diese eindrucksvolle Landschaft hinter uns und halten als nächstes bei Anse des Cascades. Hier befinden wir uns unterhalb der Steilküste am Indischen Ozean, von der einige Wasserfälle hinabrauschen. Man kann hier auch mit Kinderwagen gemütlich über einen Bohlenweg durch den sattgrünen Wald spazieren, der von vielen Einheimischen als Picknick- und Erholungsgebiet genutzt wird. Zurecht, denn es ist ein tolles Fleckchen Erde. Da heute Sonntag ist, treffen sich ganze Großfamilien zum Picknick, die Männer schleppen Plastiktische und -bänke herbei, die Kinder baden im Fluss und neben dieser heimelichen Kulisse brummt leise das eigens mitgebracht Stromaggregat.

Wir kaufen (trotz eines Restaurants und einer Imbissbude) an einem kleinen Stand köstlich schmeckende Samousas (auf La Réunion sehr beliebte gefüllte Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen) für 1,50€ je 5 Stück und lassen uns damit direkt neben den an Land liegenden Fischerbötchen nieder. Ein bisschen fragen wir uns ja schon, wie man sich mit diesen doch sehr schlichten Gefährten auf den vor uns tosenden Ozean hinaus wagen kann.
Zurück geht es wieder über den Bohlenweg, von dem aus unser Kleiner am liebsten in jeden Wassertümpel springen würde, zu unserem Parkplatz (P2). So ruhig es hier bisher war, so gnadenlos fallen dort urplötzlich gefühlt tausende Mücken (trotz Mückenschutz) über uns her und wir können es nicht verhindern, etliche davon mit ins Wageninnere zu nehmen. So gut es geht, scheuchen wir die meisten davon raus ohne neue hinein zu lassen und fahren dann ein kleines Stück aus dem Wald heraus, um uns auch des Restes zu entledigen. Leider hat sich auch der Kleine wieder ein paar neue Stiche eingefangen 🙁

Unser nächstes Ziel ist der Aussichtspunkt Pointe du Tremblet. Am Ende der Stichstraße befindet sich ein kleiner, sehr unwegsamer Parkplatz, auf dem wir gerade so den letzten Platz ergattern, ohne unseren Unterboden zu zerstören. Gerade als wir aussteigen wollen, schüttet es wie aus Kübeln und so warten wir noch einen Moment, bis das gröbste vorbei ist. Dann schultern wir den Kleinen (für die Trage ist und bleibt es einfach viel zu schwül) und kraxeln die von Steinen und Wurzeln gebildeten Stufen hinab. Das ganze ist schon etwas unwegsam und mit Kind auf dem Arm sollte man auf alle Fälle trittsicher sein. (Auch wenn das immer subjektiv ist, denn bald werden wir von einer Familie mit ca. 3-4 jährigem Mädchen in Crocs und ihrem älteren Bruder unter 10 in Flip-Flops überholt.) Aber schon nach kurzem Abstieg wird man mit einer herrlichen Sicht auf die schroffe und tiefschwarze Felsküste belohnt.

Wenn man die meterhoch zerschellenden Wellen nicht scheut und noch weiter wandern möchte, kann man von hier auch weiter der Steilküste folgen, doch wir geben uns mit der Aussicht zufrieden und dem wieder einsetzenden Regen geschlagen und kehren zum Auto zurück. Inzwischen ist auch die Straße zugeparkt, in der Hochsaison muss man hier also sicher auch Glück auf einen Parkplatz mitbringen.

Der letzte Zwischenstopp auf unserer heutigen Etappe ist das Cap Méchant.
Das „bösartige Kap“ ist eine bizarre Formation aus tiefschwarzer erkalteter Lava, die brückenartig aufs Meer hinausragt. Durch ein kleines Tor  brechen sich die tosenden Wellen und bieten ein beeindruckendes Naturschauspiel. Die Aussichtsplattformen sind über gut begehbare Steintreppen vom Parkplatz bei den beiden Restaurants aus zu erreichen. Ein sattgrüne Wiese bietet bei Bedarf schattigen Platz für eine kleine Pause.

Wir nehmen nun den direkten Weg zu unserer Unterkunft und merken wieder einmal, dass Google Maps hier, am anderen Ende der Welt, heillos überfordert ist. Es kennt Kreisel, wo keine sind, und bahnt sich seinen Weg ungeachtet von Einbahnstraßen und Busspuren.
Nachdem wir unseren Weg doch noch gefunden haben und einen Willkommensdrink später, beziehen wir unser Zimmer und brechen zum Abendessen auf.

Was habt ihr euch im Osten der Insel angeschaut? Oder was steht noch auf eurer To-Do-Liste?

 

 

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