La Réunion – Tag 7│Auf der Straße der Kurven

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Über die „Straße der 400 Kurven“ schlängeln wir uns heute entlang einer tiefen Schlucht immer höher hinauf in das Dorf Cilaos. Vorbei an einzigartigen Panoramen auf das grüne Ende der Welt, durch schmale Tunnel und enge Brücken, die nur einzeln befahren werden können, führt uns unser langer nicht ganz so einfacher und schwindelerregender Weg. Wir rücken dabei immer näher heran an das „Dach des Indischen Ozeans“, den Piton des Neiges, dessen Gipfel auf 3.071m erloschen über unseren Köpfen thront.

Die Straße ist ein Erlebnis, das einige Nerven kostet und für das man bei der Auswahl des Mietwagens auf die „Bergziege“ setzen sollte. Unser Clio hustet hier doch etwas schwächlich aus der Motorhaube. Doch irgendwie schaffen wir es ohne Kollision bis in das Örtchen Cilaos und steuern, aufgrund unserer Erfahrungen mit aufziehenden Wolken am Mittag, zunächst den Aussichtspunkt Roche Merveilleuse an. Von hier aus hat man einen wunderbaren Panoramablick über den Piton, Cilaos und den Rest des Talkessels.

Zurück im Ort flanieren wir über die Hauptstraße und decken uns in der Marché Couvert (Markthalle) mit den berühmten Linsen aus Cilaos und dem noch berühmt berüchtigteren Isabelle Wein ein. „Le vin qui rend fou“ – der Wein, der verrückt macht – so nennt man ihn hier. Und in der Tat, nicht nur, dass einem die Zunge schon nach wenigen Schlucken am Gaumen klebt, auch der hohe Methanolgehalt sorgt für diesen Namen und dafür, dass der Wein nicht mehr exportiert werden darf. Schnell weiß man nicht mehr so genau, ob der Schwindel im Kopf noch von der Serpentinestraße oder vielleicht doch von der Weinprobe herrührt.

Wir beschließen schnell eine geeignete Grundlage für den Rest der Flasche zu schaffen und machen uns vom Markt aus zu Fuß auf den Weg an den See „Mare à Joncs“. Dort habe ich bei den Vorbereitungen ein nettes Restaurant herausgesucht. Doch mit frustrierender Konstanz, hat auch diese Lokalität auf meiner Liste geschlossen. Diesmal muss man wohl aber von Glück sprechen, denn so treibt es uns nur rein zufällig in das benachbarte Restaurant „La Perle du Lac“ und wir genießen hier das wohl beste Essen auf unserer Reise und der ganzen Insel. Ein großes Carri-Buffet erwartet uns, das von Rougail Saucisse (Würstchen), über Gemüse, Fisch, Hühnchen und Schwein, wohl alle Carri-Sorten zu bieten hat. Und schon der erste Bissen ist ein Genuss, der bis zum letzten anhalten soll.
Leider ist unser Kleiner kein Reis- oder Fleischesser, was es schwierig macht, wenn man in kreolischen Restaurants essen möchte. Wir handeln mit der Bedienung eine Portion „Chips“ aus und sind entsetzt, als eine andere Kellnerin plötzlich tatsächlich einen kleinen Teller Chips bringt. Wir überlegen schon, wo wir für den Kleinen noch etwas zu Essen auftreiben, da folgt auch schon eine richtige Portion Pommes und alle sind glücklich. Ein lustigstes Missverständnis also. Das ganze ist zwar, wie überall auf der Insel, recht teuer, aber statt der angeschlagenen 20€ pro Person, berechnet man uns überraschenderweise nur 18€. Zum Abschied dürfen wir auf Tipp der überaus freundlichen Besitzerin noch einmal zu den beiden dazugehörigen Ferienhäuschen hinaufsteigen, um eine herrliche Aussicht über den See und die umliegenden Berge zu genießen.

Auf unserem Weg zurück kommen wir an der Winzergenossenschaft „Le Chai de Cilaos“ vorbei, die zu besichtigen eigentlich auch auf meinem Plan stand, aber vielleicht gerade deshalb sind wir nicht verwundert, sie geschlossen vorzufinden.

Wir setzen uns also wieder in unser Auto, atmen noch einmal tief durch und auch wenn „Cilaos“ im Madagassischen „der Ort, den man nicht verlässt“ heißt, so begeben wir uns doch erneut auf die lange Karussellfahrt zurück an die Küste.

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